Unsere Mail an Frau Schneider

Sehr geehrte Frau Schneider, meine Partnerin fühlt sich durch Ihren Kommentar beleidigt. Ich habe ihn deshalb noch nicht freigegeben. Ich würde mich aber gerne auf eine ehrliche Diskussion freuen. Waren Sie schon mal im Uhlenbusch? Kennen Sie dort Bewohner oder Menschen, die wie wir von dort vertrieben wurden? Wir sind froh den Bedrohungen dort entkommen zu sein, genauso wie auch mehr als die Hälfte der Erstbewohner. Ich werde Ihren Beitrag gern veröffentlichen, wenn Sie ihn weniger beleidigend, sondern begründet noch mal formulieren.
Wolfgang Kummerfeldt

Beleidigung im Internet

Uns erreichte ein Kommentar zu Doros Artikel über den Uhlenbusch, den wir als beleidigend empfanden. Unsere Antwort darauf wurde von der entsprechenden Mailadresse vkschneider@hotmail.de nicht angenommen. Um auf diese unseriöse Art der Diskussion hinzuweisen, stellen wir den Kommentar (siehe neueste Kommentare) und unsere Antwort darauf hier ein.

Seniorenprojekt Uhlenbusch – die unendliche Geschichte von Beulen, Schrammen und Löchern

Was für eine Bilanz!
Die Vision am Anfang: Wir gründen ein Dorf, in dem vorwiegend ältere Menschen ihre Restlaufzeit verbringen können, in Gemeinschaft leben und aufeinander Acht haben, damit jede und jeder hier aktiv und selbstbestimmt alt werden, ein würdevolles Leben führen kann bis zum Ende.

Und auch das war am Anfang:
Eine große Baustelle und tiefe Löcher, in denen man immer wieder im Matsch versank, Paletten und Umzugskartons, auf denen man sich mühte, halbwegs trocken in die – noch wenigen Häuser – zu gelangen. Befestigte Wege, Beleuchtung oder gar Hausnummern gab es hier nicht – und wer im Dunkeln den Weg wagte, der war gut beraten, sich eine Taschenlampe mitzunehmen. Dumm, wenn man da beide Hände voll hatte …

Sümpfe und Löcher taten sich auf, als sich die nach und nach mehr werdenden Dorfbewohner zu organisieren begannen: Welche Struktur soll die Dorfgemeinschaft haben? Wie wird abgestimmt? Wie kann eine Mietervertretung organisiert werden? Wer kümmert sich um die Pflege des damals noch als Dorfladen geplanten Versammlungsraums? Wie wird ein gemeinsamer Garten  anzulegen sein? Wann wird es Telefon geben? Was machen wir mit den Hunde-Hinterlassenschaften? Wo dürfen Bäume auf dem Grundstück gepflanzt werden? Wann verschwinden die Erdberge vor unseren Fenstern? Wo gibt es Parkplätze – und werden sie den Hausnummern zugeordnet werden? Wann kommt die Verkleidung für die Container und wie wird sie aussehen? Wann kommt eine Beleuchtung im Senioren-Dorf? Wie wird sichergestellt, dass Rettungsfahrzeuge auch mitten in der Nacht auf das Gelände kommen und das gesuchte Haus möglichst schnell finden? …

Dann der Paradigmenwechsel im Haus der GmbH: Entscheidungen werden nun nicht (mehr) gemeinschaftlich, sondern nach Gutsherrenart getroffen. Die Folgen: Der besondere Umgang miteinander qualifiziert sich darin, dass nicht genehme Mieter nicht gegrüßt werden. Dass verletzende Gerüchte über Mieter verbreitet werden. Dass man Aushänge mit Einladungen und Informationen ohne Rücksprache abhängt. Dass man ohne Rücksicht auf andere Mieter Hunde aufs Gelände schickt, weil einem das ja im Mietvertrag zugesichert wurde. Dass Angst-machende Hunde Dorfbewohner stellen und verbellen. Dass man andere Mieter in ihrer Freiheit einschränkt, einen zwei Meter hohen Zaun errichtet, um das Wohl der Tiere zu garantieren. Dass man ignoriert, welche Außenwirkung insbesondere Zaun und Tor haben. Dass man das große Gelände verwildern lässt und sagt, das seien naturnahe Anlagen. Dass man Mieter ungleich behandelt: Bohnen dürfen nicht am Haus gepflanzt werden, ein Anbau für Katzen aber ist erlaubt.

Das zum Hundedorf mutierte Seniorendorf hat inzwischen unendlich viele Schrammen und Beulen, die die ursprüngliche wunderbare Vision gemeinschaftlichen Lebens kaum noch erkennen lässt.

Da erscheint es nur folgerichtig, dass man bei Übergabe unserer Doppelhaushälfte noch einmal nachtritt. Diverse Pflanzlöcher werden angemahnt – Spott und Hohn auf dem Hintergrund unserer drei-jährigen Geschichte im Uhlenbusch!              Dorothea Brand


Senioren-Projekt Uhlenbusch: Bullerbü für Senioren bekommt tiefe Schramme

Nachdem kürzlich eine Bewohnerin des Senioren-Dorfes von einem Hund so gebissen wurde, dass sie in ein Krankenhaus gebracht werden musste, hat das Wohnprojekt eine heftige Beule davongetragen. Ist doch die Freiheit, die die Tiere hier im Dorf genießen, Kernstück und Werbeträger des gesamten Projektes. Nun also ist es passiert, was in den letzten Monaten immer wieder im Dorf für Diskussionsstoff und Streit gesorgt hat – bis dahin, dass Mieter sich Rechtsbeistand genommen haben, um sich halbwegs friedlich und ohne Angst im Dorf bewegen zu können. Nun hat ein Hund gebissen und eine Mieterin verletzt. Es gibt zu denken, dass die Person, die gebissen wurde, mit Hunden umgehen kann und dem Hund vertraut war. Dass der Unfall auf dem Nachbargrundstück der DJO passiert ist, ändert nichts an dem Problem, dass ein solches Unfall-Geschehen jederzeit auch im Seniorendorf denkbar ist, da Hunde im Uhlenbusch frei laufen dürfen und einige Hundehalter dieses als einen Freibrief verstehen. Der geschehene Unfall ruft nach Konsequenzen.

Und hier setzt das Folgeproblem ein: Anstatt die Bewohner über den Unfall zu informieren, stellt man den Unfall als rein privates Problem dar. Da aber so etwas nie geheim bleibt – so sehr man sich auch bemüht – und auch m.E. nicht verschwiegen werden darf, bezichtigt man denjenigen, der den Unfall öffentlich macht, der Übergriffigkeit. Das ist schon eine seltsam verkehrte Welt, die man sich hier im Uhlenbusch schaffen will. Aber was tut man nicht alles, um nicht zugeben zu müssen, dass ein Konzept – sollte so etwa überhaupt je existiert haben! – zu scheitern droht.

Die geschätzt 25 Hunde im Seniorendorf Uhlenbusch werden sich immer wieder ‚Machtkämpfe‘ liefern – dumm für uns Menschen, die wir doch eigentlich nur in Frieden hier alt werden woll(t)en. Dorothea Brand

Senioren-Wohnprojekt Uhlenbusch:

Der Fuchs im Weinberg
Ganz was Besonderes sollte es sein, dieses wie eine Ferienhaussiedlung anmutende Dörfchen am Ende des Ortes Bosau, etwas Herausragendes, Außergewöhnliches, einmalig und uneinholbar für andere Wohnprojekte. Etwas Herausragendes, Außergewöhnliches auch, weil man hier Gemeinschaft leben will und  aufeinander achtet, damit jede und jeder hier aktiv und selbstbestimmt alt werden,  ein würdevolles Leben führen kann bis zum Ende.

Ernüchternd ist die Bilanz, wenn ich heute – im September 2020 – auf dieses Dörfchen schaue:
Der besondere Umgang miteinander qualifiziert sich darin, dass nicht genehme Mieter nicht gegrüßt werden. Dass verletzende Gerüchte über Mieter verbreitet werden. Dass man Aushänge mit Einladungen und Informationen ohne Rücksprache abhängt. Dass man ohne Rücksicht auf andere Mieter Hunde aufs Gelände schickt, weil einem das ja im Mietvertrag zugesichert wurde. Dass man andere Mieter in ihrer Freiheit einschränkt, einen zwei Meter hohen Zaun errichtet, um das Wohl der Tiere zu garantieren. Dass man ignoriert, welche Außenwirkung insbesondere Zaun und Tor haben. Dass man das große Gelände verwildern lässt und sagt, das seien naturnahe Anlagen. Dass man Mieter ungleich behandelt – Bohnen dürfen nicht am Haus gepflanzt werden, ein Anbau für Katzen aber ist erlaubt. Dass Entscheidungen nicht gemeinschaftlich, sondern nach Gutsherrenart getroffen werden.

Ernüchternd auch, dass mehr als die Hälfte der ersten Mietergeneration bereits ausgezogen ist. Aus meiner heutigen Perspektive gesehen, hat man uns, die erste Mietergeneration, mit einer Vision für ein alternatives Wohnen im Alter angeworben, dann aber festgestellt, dass die Menschen, die man sich herangeholt hatte, durchaus eine eigene Vorstellung vom Alt-Werden hatten, die aber nicht kompatibel mit der des Gründer-Ehepaars Reimann war. So kommt es nach nur gut einem Jahr ‚Laufzeit Uhlenbusch‘ zu einem von Ehepaar Reimann ausgerufenen ‚Paradigmenwechsel‘, der bei den ersten Mietern des Uhlenbuschs zum Eindruck geführt hat, ‚benutzt worden zu sein als geldgebende Pioniere‘. Jetzt aber, da alles wohl im Sinne der Gutsherren-GmbH läuft, kann man nicht genehme Mieter nicht schnell genug loswerden.

So ziehen wir, Wolfgang und ich, die Konsequenzen und verlassen nach genau drei Jahren den Uhlenbusch Ende November.                                  Dorothea Brand                  

Ich möchte mich aus dem Uhlenbusch mit folgender kleiner Anekdote verabschieden:

Ein Fuchs findet einen besonders verlockenden Weinberg.
Die herrlichen Trauben reizen seine Gier. Aber der Weinberg ist sicher eingezäunt. Der schlaue Fuchs umschleicht den Zaun und findet eine winzige Öffnung, durch die er in den Weinberg eindringen will. Doch die Öffnung ist zu eng. In einer Mischung von Klugheit und Gier beschließt der Fuchs, so lange zu fasten, bis er durch den Spalt hindurchpasst.

Nach einer Woche endlich ist er so mager, dass er hinein kann. Nun frisst er sich an den wunderbaren Früchten satt und wird wieder so dick, dass er nicht mehr ins Freie gelangt. So muss er wieder lange fasten und sich verstecken, bis er hinaus kann. Als er endlich draußen ist, dreht er sich zum Weinberg um und ruft: „Weinberg! Weinberg! Wie schön bist du, und wie herrlich schmecken deine Trauben. Aber man hat keinen Nutzen von dir! So hungrig man zu dir hineinkommt, so hungrig geht man wieder aus dir heraus!“

So ist es wohl auch mit den Weinbergen des irdischen Ruhmes, der Macht und des Reichtums. Sie sind so verlockend und scheinen herrlich. Aber so nackt, wie wir auf die Welt kommen, werden wir sie auch wieder verlassen.                                                                       Axel Kühner, Voller Witz und Weisheit

Und sie bewegt sich doch

Nachdem einer der großen Hunde im Uhlenbusch sich wieder fletschend vor mir aufgebaut hatte, hab ich mich bei der Polizei beschwert und Leinenzwang verlangt. Die Polizei hat nicht nur dem Besitzer, sondern auch unserem Vermieter daraufhin einen Besuch abgestattet. Seitdem ist der Hund an der Leine und einige andere Hunde auch.

Projekt Uhlenbusch: Seniorendorf mutiert zum Hundedorf

Dorf auf der ehemaligen Seekoppel in Bosau ist auf den Hund gekommen

Und das im wahrsten Sinne des Wortes – ganz was Besonderes sollte es sein, dieses wie eine Ferienhaussiedlung anmutende Dörfchen am Ende des Ortes Bosau:  Hier will man Gemeinschaft leben, hier achtet man aufeinander, hier soll man aktiv und selbstbestimmt alt werden, ein würdevolles Leben führen können bis zum Ende.

Diese Vision des Gründer-Ehepaars Ulrich und Caroline Reimann hat mich seinerzeit begeistert: meine Restlaufzeit nicht allein und nicht in einer Alten- und Pflegeeinrichtung  verbringen zu müssen, eine alternative Lebensform aufzubauen, in dem Menschen miteinander die Tücken des Älter-Werdens gemeinsam meistern können, indem sie einander unterstützen mit dem, was sie noch können, um so bis ins hohe Alter in einem seniorengerechten und ökologischen Dorf ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Die Vision ist wie eine Seifenblase zerplatzt.

1. Das Dorf Uhlenbusch ist in dem, wie es sich heute – auch in der Öffentlichkeit – präsentiert, nicht wirklich auf das Alter ausgerichtet und Menschen, die pflegebedürftig werden, sehen sich gezwungen, das Dorf zu verlassen.

2. Menschen mit eigenen Ideen zur Lebensgestaltung der Gemeinschaft sind nicht erwünscht.

3. Die vom Dorfgründer gepriesene besondere Qualität im Umgang und Gespräch miteinander hat sich ins Gegenteil verkehrt: Der Anspruch, mit Respekt und Toleranz miteinander umzugehen, wird mit Füßen getreten:  nicht genehme Bewohner werden ausgegrenzt. Das hat Strukturen von Mobbing und dazu geführt, dass die ‚erste Uhlenbusch-Generation‘ nach und nach den Uhlenbusch verlässt. Diese Ausgrenzungen passieren sehr gezielt: Man enthält bestimmten Mietern Informationen vor, verbreitet Gerüchte über sie, weist sie hin auf ihr Recht kündigen zu können, behandelt sie so, als gäbe es sie gar nicht, und anderes mehr.

4. Das Dorf Uhlenbusch ist von einem zwei Meter hohen Zaun und hohem Tor umschlossen und vermittelt der Umgebung den Eindruck einer hier lebenden elitären Gemeinschaft, die mit anderen nichts zu tun haben will. Dementsprechend wird das Uhlenbusch-Dorf bezeichnet als JVA, Ghetto und Tierversuchsstation; als Bewohnerin habe ich zuweilen den Eindruck, in einem großen Hundezwinger zu leben. Hunde stehen für den Vermieter an oberster Stelle, potentielle Mieter werden danach ausgesucht, ob sie Hundebesitzer sind. So leben in diesem Dorf z.Zt. zirka 20 Hunde auf Wegen und Abwegen, denn nicht jeder Hund ist  hier mit seinem Frauchen oder Herrchen unterwegs.

Wie mutiert ist der ursprüngliche Plan eines seniorengerechten Dorfes, in dem man Gemeinschaft lebt! Aus meiner heutiger Perspektive gesehen, hat man uns, die erste Mietergeneration, mit einer Vision für ein alternatives Wohnen im Alter angeworben, uns ‚benutzt als geldgebende Pioniere‘, und kann uns jetzt, da wohl alles im Sinne der GmbH läuft, nicht schnell genug loswerden. Das ist bitter!

                                                                                                                                       Dorothea Brand

Von der Demokratie über die Soziokratie zur Willkürherrschaft der Grundbesitzer im Uhlenbusch

Der Anfang

Zu Beginn gab es im Uhlenbusch einen wöchentlichen Kennlerntreff, an dem alle recht regelmäßig teilnahmen, auch die Vermieter (Ulli und Caroline Reimann). Aber die Auseinandersetzungen waren oft sehr emotional. Lebte man doch auf einer Baustelle, wo es vieles noch nicht gab und einiges nicht funktionierte. So entstand nach und nach das Bedürfnis diese Treffen zu strukturieren. Meist wählte man einfach eine Gesprächsleitung, damit überhaupt jeder gleichberechtigt zu Wort kam.

Die vorläufige Mietervertretung

Dann organisierte einer der Bewohner (Herbert Stierel-Domeyer) nach einem soziokratischen Verfahren die Wahl einer dreiköpfigen Mietervertretung. Gewählt wurden Edith Pingel, Wolfgang Kummerfeldt und Helgard Stahl. Diese Mietervertretung nannte sich vorläufig, da erst die Hälfte der Bewohner eingezogen war. Leider gab es keine Einigung der Mieterversammlung, wie bei Nichteinstimmigkeit entschieden werden sollte. Innerhalb der vorläufigen Mietervertretung galt das Mehrheitsprinzip. Nachdem die Kritik an den Vermietern immer stärker wurde, zogen die sich weitgehend aus der Mieterversammlung zurück. Insbesondere die Diskussion um die Gartengestaltung und über Zaun und Tor zeigte unüberwindliche Gegensätze zwischen sehr vielen Bewohnern und den Vermietern.

Soziokratie und Satzung

Als alle 30 Häuser standen, lud der Vermieter zu einer ersten Vollversammlung ein und stellte sein Soziokratiemodell vor: 6 Säulen für die verschiedenen Bereiche, die er mit 6 Personen als Leitung besetzt hatte. Auf die Kritik an diesem undemokratischen Vorgehen erwiderte er, es könne ja jemand einen Gegenvorschlag machen. Das geschah daraufhin durch Hans-Jochen Laabs und Klaus von Bröckel. So gab es drei Satzungsvorschläge. Daraufhin haben Elke Badur-Siefert, die den Vorschlag der Vermieter vertrat, und Hans-Jochen und Klaus einen gemeinsamen Kompromissvorschlag vorgelegt. Der fand in der folgenden Vollversammlung nur eine Zweidrittelmehrheit. Daraufhin wurde er vom Vermieter abgelehnt, der auf Einstimmigkeit bestand. Er selber hatte offensichtlich dagegen gestimmt.

Situation heute

Seitdem werden alle Entscheidungen recht willkürlich nur vom Vermieter getroffen – ohne einen Uhlenrat, den der Anhang zum Mietvertrag eigentlich vorsieht. Der Zaun um das Gelände wurde durch ein 2m hohes Tor ergänzt, die Außenflächen nach seinem Plan gestaltet oder oft ungestaltet gelassen. Der Unmut der ersten Bewohner führte dazu, dass von den ursprünglichen Mietern mehr als die Hälfte ausgezogen ist. Als neue Bewohner wurden fast nur noch Hundebesitzer vom Vermieter ausgewählt. Auch die Nutzungsregelungen für Gästezimmer, Gemeinschaftshaus und Sauna wurden ohne Absprachen mit den Bewohnern festgelegt.